Wie viel Controlling braucht ein Start-up?

Wie viel Controlling braucht ein Start-up? Frau steuert eine Rakete.

Bildquelle: „business start up concept” von OstapenkoOlena, modifiziert von der CGVI GmbH

Der Start in das Unternehmertum ist oftmals mit Risiken verbunden. Die Planspiele der Controlling Academy können bei diesem Prozess ein hilfreicher Begleiter auf dem Weg zum unternehmerischen Erfolg von Start-ups sein.

Viele Insolvenzen wären vermeidbar!

Die Zeiten, um ein eigenes Unternehmen zu gründen, scheinen hervorragend. Gleichwohl müssen Monat für Monat rund 9.000 Unternehmen in Deutschland Insolvenz anmelden. Die frühzeitige Beschäftigung mit dem Thema Controlling könnte sie vor einer drohenden Unternehmenspleite schützen.

Wie viel Controlling braucht ein Start-up? Veranstaltung im Basislager Leipzig.
Wie viel Controlling braucht ein Start-up? Veranstaltung im Basislager Leipzig. Quelle: CGVI GmbH

Controlling?

Die Gründerinnen und Gründer innovativer Start-ups sehen sich zumeist als Visionäre. Aber welcher Visionär braucht schon Controlling? Ist Controlling nicht etwas für Buchhalter und Erbsenzähler? Mit dieser Einstellung ist das leidige Thema zunächst vom Tisch. Allerdings verlieren Unternehmenslenker genau mit dieser Einstellung den betriebswirtschaftlichen Überblick. Darüber hinaus geben sie ihre unternehmerische Steuerung komplett auf oder in die Hände externer Buchhaltungs- und Steuerberatungsfirmen.

Doch wie viel Controlling benötigt ein Start-up? Im Gegensatz zu etablierten Unternehmen ist eine eigene Controllingabteilung für Gründer sicher nicht zielführend. Denn gerade in der Aufbauphase sind die zeitlichen und finanziellen Ressourcen besonders knapp. Eine ausgewogene Allokation auf sämtliche Projekte ist daher erfolgversprechender.

Mit Blick auf das Controlling sollte jedes Start-up mindestens seine grundlegenden betriebswirtschaftlichen Zusammenhänge und Abläufe verstehen. Ein guter Start kann dabei sein, die eigenen Geschäftsvorfälle hinsichtlich ihrer finanziellen Auswirkungen nachzuvollziehen. Darüber hinaus sollten die Begriffe Gewinn- und Verlustrechnung, Bilanz sowie Cashflow-Rechnung grundsätzlich klar sein. Nur so gewinnt der Unternehmer eine präzise Vorstellung über seine aktuelle und zukünftige Ertrags-, Vermögens- und Finanzlage. Doch wie können Start-ups für dieses „trockene“ Thema sensibilisiert werden?

Probeplanspiel

Um dieser Frage nachzugehen und mögliche Formate auszuloten, haben wir gemeinsam mit dem Basislager, dem zentralen Coworking Space für Start-ups in Leipzig, einen Gründerabend in Leipzig durchgeführt. Bei Pizza, Bier und Cola wurde der Versuch gestartet, Controlling „feierabendtauglich“ zu präsentieren. Dazu simulierte die Controlling Academy gemeinsam mit den Gründern das erste Geschäftsjahr eines fiktiven Unternehmens. Bereits nach einer Stunde verinnerlichten die Teilnehmenden erste Grundlagen des Controllings in kurzweiliger und spielerischer Art.

Anschließend wurde angeregt diskutiert, wie andere Start-ups von ähnlichen Formaten profitieren könnten. Unser Fazit dieser gelungenen Veranstaltung:

  • Start-ups verfügen über extrem knappe finanzielle und zeitliche Ressourcen für das Thema Weiterbildung.
  • Insofern sollten entsprechende Planspiele im Rahmen von Gründerabenden modular zum Feierabend und am besten im Rahmen einer finanziellen Förderung angeboten werden.
  • Damit würden die Gründer ohne „Verlust“ Ihres Arbeitstages sich dieses Themas widmen können.
  • Gleichzeitig würden sie von anderen Teilnehmenden in Form neuer Netzwerke profitieren.
  • Das Format Planspiel garantiert dabei einen kurzweiligen und spannenden Abend, bei dem die Gründer und Visonärinnen ins Gespräch kommen können und – nebenbei auch Controlling lernen.

Dr. Marcus Bauer, Geschäftsführer der CGVI GmbH, 16. September 2019


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Bildquelle: „black sheep in the flock” von oJOGABONITOo, modifiziert von der CGVI GmbH

Viele Menschen meinen, dass dem Handel mit Aktien die reine Profitgier zugrunde liegt. Sie verurteilen Aktionäre als geldgierig, egoistisch und unmoralisch. Sie sehen sich selbst als “moralisch integer” Sparer. Fragt man sie nach ihren Beweggründen, so offenbart sich oftmals Unwissenheit zum Thema. Viele ihrer Argumente sind dünn, teilweise ideologisch begründet. Insofern gilt vielleicht sogar die umgekehrte Hypothese: Agieren die Aktionäre moralisch überlegen?

Der Aktionär als Investor

Aktionäre sind Anteilseigner an Unternehmen. Sie stellen den Unternehmen Eigenkapital zur Verfügung. Einige agieren als Spekulanten, um kurzfristig Gewinne zu realisieren. Andere investieren bewusst und mit einem mehrjährigen Zeithorizont. Letztere verstehen sich als aktive Investoren und Förderer ausgewählter Firmen, Branchen, Technologien und Trends.

Der Sparer entmündigt sich selbst

Diese langfristig orientierten Investoren können im Gegensatz zum Sparer selbstbestimmt entscheiden, wo Sie Ihr Geld anlegen. Denn der klassische Sparer in Deutschland bringt sein Geld lediglich zur Bank. Anschließend verschließt er seine Augen vor den damit verbundenen Konsequenzen. Frei nach dem Motto: “Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß.” Ob sein Geld anschließend in neue Umwelttechnologien oder Rüstungsunternehmen fließt, obliegt nicht mehr seiner Gestaltungshoheit. Es ist ihm in der Regel auch egal.

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Insofern sollte jeder Sparer überlegen, ob er seiner “demokratischen Pflicht” nachkommt und seine Interessen im Rahmen von entsprechenden Vereinigungen als mündiger Investor gegenüber Vorständen und Aufsichtsräten konstruktiv wahrnimmt. Somit sind Investoren vielleicht nicht die besseren Menschen, mit Blick auf die gesellschaftliche Verantwortung dem passiven Sparer aber eine gewaltigen Schritt voraus.

Dr. Marcus Bauer; Geschäftsführer der CGVI GmbH am 24. Juni 2019

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